Stell Dir vor, es ist Samstagmorgen, eigentlich schon Vormittag, Dein Ziel ist es eigentlich ein paar belebte Plätze mit Naturcharakter in einer Großstadt zu erlaufen, und zu allem Überfluss bist Du auch noch ein recht guter Schachspieler. Und kommst in einem Park an einem Haufen aufgebauter Bretter vorbei, was nach Turnier riecht. Weiterlaufen oder spielen?
Stefan Wickenfeld, eigentlich für die Schachfreunde Gerresheim, einem Stadtteil von Düsseldorf, in der Verbandsliga an Brett 1 aktiv, hat es in die Rhein-Main-Region verschlagen, befand sich in eben jener Situation, und wären ein paar Spieler, die sich angemeldet hatten, auch gekommen, wäre der liebe Stefan wegen der überbuchten Teilnehmerliste wohl doch auf der anderen Mainseite im nächsten Park gelandet. Doch beginnen wir am Anfang des Events.
Während im Westen der Stadt zeitgleich die besten Hessischen Blitzer ihren Meister suchten, veranstaltete der SC Brett vorm Kopp Frankfurt in Zusammenarbeit mit der E.I.S Elterninitiative Sachsenhausen auf dem Areal des Brückenspielplatzes im Stadtteil Sachsenhausen ein Schachfest.
Nur wenige Wochen zuvor war die Idee auch an mich herangetragen worden, ob ich hier nicht ein wenig unterstützen könnte. Nun, aus dem wenig wurde mit der Zeit immer mehr, aber ich will mich nicht beklagen, schließlich hat es auch mir Spaß gebracht.
Drei Veranstaltungen sollten den gesamten Event, das Schachfest, ausmachen. Es begann gegen 10 Uhr mit einem kleinen 12er Simultan, wobei sich BvK Spitzenspieler Stephan Wendel als weitestgehend unnachgiebig herausstellte. Nach etwa 2 Stunden war sein Rundgang beendet und er ließ nur ein Remis zu, gegen den jungen Junis Jacob vom Frankfurter TV 1860.
Hätte sich nicht freundlicherweise der Internationale Meister Stefan Solonar dazu gewinnen lassen, die letzten drei Partien abzuschätzen, wäre der Beginn des Hauptevents, das Schnellschach- Open, noch weiter in der Zeitschiene nach hinten gewandert.
Doch gegen 12 Uhr konnte es dann doch losgehen. 49 von vorab geplanten 50 Teilnehmern, vom IM bis ambitionierten Beginner war der Bogen weit gespannt, ging es in die erste von insgesamt sieben Runden nach Schweizer System. Mit dabei, weil eben nicht alle kamen, Stefan Wickenfeld.
Und er punktete sich sauber durch die ersten sechs Runden, die er alle bis auf ein Remis in Runde 4 gewann, um dann gegen BvK Meister Erhard Rüger zum Schluss mit einem weiteren Remis den Turniersieg abzusichern. Eine starke Leistung nach ca. 4 Stunden Turnierdauer!
Alle weiteren Ergebnisse können der Turnierseite bei Chess Results entnommen werden.
Kurz darauf begann der Jochen-Wege-Problemlöse- Wettbewerb, zu Ehren und in Gedenken an Jochen, der vor vier Jahren unerwartet einfach starb. Ein Schock für nicht wenige in der Schach Community, erst recht für die, die ihn kannten.
Gelöst wurde in zwei Gruppen, Beginner und Meister, und die Aufgaben, jeweils sechs an der Zahl, führten alle Teilnehmenden an die persönliche Grenze. Keiner konnte alles lösen, aber am Ende war auch hier Stefan Wickenfeld vorne, teilte sich aber den ersten Platz mit Simultangeber Stephan Wendel.
Es war immerhin schon gegen 18 Uhr und das Programm am Ende angekommen. Doch Zehn schafften es nicht sich vom Schach zu trennen und so wurde noch ein Chill-out- Blitzturnier angesetzt, das gewonnen wurde von? Ja, genau, dem Wanderer aus Gerresheim. Diesmal mit glasklarer Punktausbeute und Neun aus Neun.
Während sich das Schach zuvorderst abspielte, sorgten eifrige Helfer im Hintergrund dafür, dass alles wieder eingepackt wurde, was nicht mehr gebraucht wurde. Wofür ein großer Dank ausgesprochen werden muss! Schließlich konnte auch ich mein mitgebrachtes Schachmaterial nach der Rückkehr zu Hause wieder komplett verstauen.
Zum Schachfest im Brückenviertel bleibt nur ein weiterer Kommentar: Zur Nachahmung wärmstens empfohlen!
Und hier, unvermeidbar, ein paar Schnappschüsse vom Schachfest:






















